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Halbzeit im ewigen Eis: Warum dieses Bergfest noch kein Grund zum Feiern ist

Während ihr zu Hause in Deutschland vermutlich gerade im Schatten bei unbarmherzigen

40 °C schwitzt, verzweifelt nach Abkühlung sucht oder am Badesee liegt, stehe ich hier. Auf 3.000 Metern Höhe. Mitten in den Hochsavoyen, den majestätischen Gipfel des Mont Blanc direkt vor Augen.

Doch die Idylle trügt. Auch hier oben brennt die Sonne unerbittlich, das Thermometer klettert auf über 15 °C. Für den Gletscherschnee bedeutet das den absoluten Ausnahmezustand – und für mich verwandelt sich der Untergrund ab den Mittagsstunden in eine schwere, nasse, kraftraubende Masse. Mein Körper schreit nach Pause, jede einzelne Faser meiner Oberschenkel brennt wie Feuer. Und genau hier, an diesem vergangenen Juni-Wochenende, habe ich sie durchbrochen: die magische Halbzeitmarke meines Weltrekordprojekts #Project3M+2.


Mehr als die Hälfte der gigantischen Gesamtdistanz liegt nun hinter mir. Genau 2.446.000 Höhenmeter habe ich seit dem Start im November letzten Jahres im Kasten. Rein rechnerisch habe ich das offizielle „Bergfest“ erreicht. Ein Meilenstein, auf den mein gesamtes Team monatelang hingearbeitet hat.


Aber wisst ihr was? Ich fühle keine Erleichterung. Ich feiere nicht. Denn die nackte, brutale Wahrheit im Extremsport lautet: Gewonnen ist hier noch absolut gar nichts.


Der gnadenlose Wettlauf gegen die Sonne


Mein Alltag hier oben ist aktuell kein Alpentraum, sondern ein präzise getakteter, mentaler Ausnahmezustand. Jeden Morgen um kurz nach fünf reißt mich der Wecker aus dem Schlaf. Um Punkt 06:30 Uhr – wenn die nächtliche Abstrahlung den Gletscher zumindest für ein paar Stunden oberflächlich gefrieren lassen hat – sitze ich im Lift. Ab sieben Uhr gibt es kein Zurück mehr: Höhenmetersammeln im Akkord.



Es ist ein epischer Wettlauf gegen die Wärme. Jede Minute zählt. Bis zum Liftschluss um

kurz vor 13:00 Uhr pushe ich mich durch mehr als 30 Abfahrten pro Tag. Jede einzelne Kurve im immer weicher werdenden Sulzschnee erfordert brutale Beinarbeit und absolute, fehlerfreie Konzentration. Ein einziger Fehler, ein einziger schwerer Sturz im nassen Schnee, und der Traum von 5 Millionen Höhenmetern könnte schlagartig vorbei sein.


Die gefährliche Illusion der Zielgeraden


Es ist psychologisch verdammt gefährlich da oben. Mein Kopf versucht mir einzureden: „Mensch Christian, du hast mehr geschafft, als noch vor dir liegt. Ab jetzt geht es bergab in Richtung Zielgerade.“ Aber das ist eine gefährliche Illusion. Die zweite Hälfte eines solchen Ultratrips ist immer die härtere. Das Material verschleißt, die mentale Erschöpfung summiert sich, und der Körper vergisst nicht, was er in den letzten Monaten geleistet hat – wie jene geschichtsträchtigen 31.351 Höhenmeter an nur einem einzigen Tag in Hochfügen.

Dieses Bergfest ist kein Ruhekissen, sondern ein Weckruf. Die kritische Phase beginnt

genau jetzt. Das ewige Eis verzeiht keine Arroganz. Ich habe bewiesen, dass die erste Hälfte machbar war, aber die Rekordbücher der Welt interessieren sich nicht für halbe Sachen. Nur wer am 10. November 2026 im Ziel steht und die 4,888 Millionen Höhenmeter-Marke endgültig pulverisiert hat, schreibt Geschichte.

„Es ist eine mentale Grenzerfahrung. Ich weiß, dass zu Hause die Menschen am Badesee liegen, während ich selbst bei 15 Grad auf dem Gletscher stehe und um jeden Meter kämpfe. Der Schnee verändert sich im Minutentakt, die Oberschenkel brennen, aber der Blick auf den Mont Blanc und das Ziel vor Augen treiben mich unaufhaltsam an. Erreicht ist zwar noch nichts – aber der Kampf geht weiter!“

Ich danke euch allen da draußen für euren unfassbaren Support. Ihr pusht mich weiter, Kurve für Kurve, Höhenmeter für Höhenmeter. Verfolgt meine Daten gerne weiterhin live im Ticker. Ich schnalle die Bretter wieder fest. Es ist noch ein verdammt weiter Weg.

Euer

Christian

Der Bond auf Brettern


Bleibt live dabei und drückt die Daumen: www.bond-auf-brettern.com/live-ticker

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©2025/26 von Der Bond auf Brettern - Skiweltrekordler Christian Flühr.

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